Fürsorgerische Zwangsmassnahmen

35.00 CHF

Tanja Rietmann
«Fürsorgerische Zwangsmassnahmen»
Staatsarchiv Graubünden – Quellen und Forschungen zur Bündner Geschichte (QBG) Band 34
Kommissionsverlag Desertina, 2017
ISBN 978-3-85637-494-5
178 Seiten Hardcover mit Fadenheftung 21 x 29.7 cm
CHF 35.00

Beschreibung

Tanja Rietmann
«Fürsorgerische Zwangsmassnahmen»
Anstaltsversorgungen, Fremdplatzierungen und Entmündigungen in Graubünden
im 19. Und 20. Jahrhundert

Die Studie untersucht die Geschichte fürsorgerischer Zwangsmassnahmen in Graubünden. Sie zeigt, wie mit der Zwangsarbeitsanstalt Fürstenau 1840 eine der ersten Arbeitsanstalten in der Schweiz eröffnet wurde. Noch im 20. Jahrhundert betrachteten die Behörden «liederliche», «arbeitsscheue» oder «trunksüchtige» Personen als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse, die es zu disziplinieren galt. Strukturelle Ursachen von Armut und Randständigkeit fanden kaum Beachtung.

Die Politik und gesellschaftliche Reformkräfte erweiterten zu Beginn des 20. Jahrhunderts die rechtlichen Voraussetzungen, unter denen Betroffene anstaltsversorgt, fremdplatziert oder entmündigt werden konnten. Die Studie arbeitet heraus, wie die Bündner Vormundschaftsbehörden von diesem vergrösserten Aufgabenfeld vielfach überfordert waren. Für die Betroffenen hatte dies eine erhebliche Rechtsunsicherheit zur Folge und konnte in eine eigentliche Rechtlosigkeit münden. Wie andere Kantone der Schweiz begann Graubünden Kinderheime und Pflegeplätze erst spät zu beaufsichtigen. Dies brachte ab Mitte der 1950er-Jahre zunehmend Missbrauchsfälle ans Licht und führte zur Schliessung einer Reihe von Kinderheimen. Die Dunkelziffer blieb allerdings hoch.

Eine kritische Reflexion fürsorgerischer Zwangsmassnahmen setzte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Das neue Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, das seit 2013 in Kraft ist, berücksichtigt lange gestellte Forderungen nach professionellem Personal und einen verstärkten Rechtsschutz der Betroffenen. Nichtsdestotrotz bleiben die Massnahmen des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts in einem Spannungsfeld von Schutz und Zwang angesiedelt.

Die Autorin
Tanja Rietmann studierte Geschichte und Soziologie in Bern und Berlin. Ihre Dissertation zur administrativen Anstaltsversorgung legte einen Grundstein zur Aufarbeitung der Geschichte von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen in der Schweiz. Sie arbeitet am Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung der Universität Bern und als Dozentin für Sozialgeschichte und Gender Studies an der Berner Fachhochschule für Soziale Arbeit.

 

 

Tanja Rietmann
«Fürsorgerische Zwangsmassnahmen»
Staatsarchiv Graubünden – Quellen und Forschungen zur Bündner Geschichte (QBG) Band 34
Kommissionsverlag Desertina, 2017
ISBN 978-3-85637-494-5
178 Seiten Hardcover mit Fadenheftung 21 x 29.7 cm
CHF 35.00

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