Bündner Monatsblatt Kulturerbejahr 2018

16.00 CHF

Bündner Monatsblatt 2/2018
Kulturerbejahr 2018
128 Seiten
Fr. 16.- als Einzelheft
Im Abonnement vier Ausgaben pro Jahr

Autoren zum Themaheft Kulturerbejahr 2018
Köbi Gantenbein: Die Baukultur in den Bergen ist der Bergblick. Eine biografische Notiz
Urban Affentranger: Architekt August Hardegger und die Benediktinerabtei Disentis
Leza Dosch: Zweitmeinung – die Erweiterung des Hotels Schweizerhof Vulpera am Vorabend des Ersten Weltkriegs
Marcel Just: Immer gut für eine Überraschung Bildhauer Wilhelm Schwerzmann in Graubünden
Gion A. Caminada: Kulturlandschaft in den Bergen. Über den Umgang mit nicht mehr gebrauchten Ställen
Ulrich Ruoff: Die Geheimnisse des Gartens der Chesa Planta in Samedan
Thomas Ekwall: Stahlbrücken zwischen Reichenau und Ilanz – Massnahmen zur Weiternutzung
Thomas Bitterli: Militärische Geländehindernisse – eine besondere Form von «Land Art»?
Ludmila Seifert-Uherkovich: Kirche mit Kaufhaus. Zur Architektur der Trinkhalle von «Bad Tarasp»

Artikelnummer: BM-2_2018 Kategorien: , ,

Beschreibung

Im Juni 2018 ist das Bündner Monatsblatt 2/2018 erschienen und ab sofort beim Verlag erhältlich. Die aktuelle Ausgabe ist dem Thema «Kulturerbejahr 2018» gewidmet. In der Schweiz steht das «Kulturerbejahr 2018» unter dem Patronat von Bundespräsident Alain Berset. Ein Jahr lang wird mit zahlreichen Veranstaltungen landesweit die Aufmerksamkeit auf unser gemeinsames kulturelles Erbe gelenkt. Im besonderen Fokus
stehen dabei dessen sichtbarsten Elemente: die historischen Bauten und archäologischen Fundstätten. Es bietet sich die Gelegenheit, für die zentrale Rolle der Baukultur bezüglich der Qualität unseres Lebensraumes zu sensibilisieren und in einen breiten Dialog über ihren Wert für die Gemeinschaft einzusteigen.
Link zur Homepage des Kulturerbejahres: Kulturerbejahr 2018.

Inhalt

Zahlreiche Autoren äussern sich dabei. Unter anderen nimmt Gion A. Caminada Stellung gegen die Umwandlung von Ställen in Zweitwohnungen (siehe nachfolgenden Bericht aus der Südostschweiz). Weitere Autoren:
Köbi Gantenbein: Die Baukultur in den Bergen ist der Bergblick. Eine biografische Notiz
Urban Affentranger: Architekt August Hardegger und die Benediktinerabtei Disentis
Leza Dosch: Zweitmeinung – die Erweiterung des Hotels Schweizerhof Vulpera am Vorabend des Ersten Weltkriegs
Marcel Just: Immer gut für eine Überraschung Bildhauer Wilhelm Schwerzmann in Graubünden
Gion A. Caminada: Kulturlandschaft in den Bergen. Über den Umgang mit nicht mehr gebrauchten Ställen
Ulrich Ruoff: Die Geheimnisse des Gartens der Chesa Planta in Samedan
Thomas Ekwall: Stahlbrücken zwischen Reichenau und Ilanz – Massnahmen zur Weiternutzung
Thomas Bitterli: Militärische Geländehindernisse – eine besondere Form von «Land Art»?
Ludmila Seifert-Uherkovich: Kirche mit Kaufhaus. Zur Architektur der Trinkhalle von «Bad Tarasp»


Gegen den «kulturellen Voyeurismus»

Beitrag von Valery Gerstlauer in der Südoschweiz vom Samstag, 7. Juli 2018

Die aktuelle Ausgabe des «Bündner Monatsblatts» ist dem Kulturerbejahr 2018 gewidmet. Unter anderen äussert sich Gion A. Caminada wortgewaltig gegen die Umwandlung von Ställen in Zweitwohnungen.

von Valerio Gerstlauer

Die Frage zum Umgang mit nicht mehr gebrauchten Ställen treibt Denkmalpfleger und Kulturinteressierte seit Jahren auf die Barrikaden. Die Diskussion weiter angeheizt haben in den vergangenen Monaten die Debatten im National- und Ständerat.

So ist es denn auch der Beitrag von Gion A. Caminada, der beim Schmökern im neuen «Bündner Monatsblatt» direkt ins Auge sticht. In seinem Beitrag «Die Kulturlandschaft in den Bergen» spricht sich der Architekt aus Vrin einmal mehr wortgewaltig gegen eine gedankenlose Umnutzung nicht mehr gebrauchter Ställe aus. «Unlängst erachtete auch die Bundespolitik die Ställe als brachliegendes Kapital, das es zu nutzen gilt», schreibt Caminada. «Infolge der angenommenen Zweitwohnungsinitiative sollen ortsbildprägende Ställe in Zweitwohnungen transformiert werden.» Argumentiert werde mit Kulturerhaltung. «Was bleibt, ist jedoch nur ein Bild.» Der Umgang mit dem Ort degeneriere zu einem kulturellen Voyeurismus. «Und das Paradoxe an dieser Haltung: Langfristig gehen uns die Bilder aus, weil blosse Kulissen keine dauernde Kraft haben.»
Beiträge zur Bündner Kultur

Das vom Institut für Kulturforschung Graubünden und vom Bündner Heimatschutz herausgegebene «Bündner Monatsblatt» steht diesmal im Zeichen des Kulturerbejahres 2018. Zahlreiche Veranstaltungen im ganzen Land sollen die Aufmerksamkeit auf das gemeinsame kulturelle Erbe lenken. «Im besonderen Fokus stehen dabei dessen sichtbarste Elemente: die historischen Bauten und archäologischen Fundstätten», schreibt Redaktorin Ludmila Seifert-Uherkovich im Editorial. Im Übrigen ist dort zu lesen, dass Seifert-Uherkovich mit dem vorliegenden Heft nach zehn Jahren und 40 Nummern die Redaktion des «Bündner Monatsblatts» abgibt. Wie auf Anfrage zu erfahren war, zeichnen künftig Florian Hitz und Julian Reich verantwortlich.

Neben Architekt Caminada konnte Seifert-Uherkovich sieben weitere Experten für Beiträge zur Bündner Baukultur verpflichten. Köbi Gantenbein, Chefredaktor der Architekturzeitschrift «Hochparterre», blickt beispielsweise auf sein Leben zurück und analysiert dabei, wie sich die alpine Bau- und Arbeitskultur in dieser Zeit verändert hat. Kritisch hält Gantenbein fest: «Die Dörfer, die die Modernisierung mit sich nimmt, entgrenzen sich und werden Teil einer Stadt.» Die Stadt von Samedan, wo er geboren worden sei, heisse Oberengadin und reiche von Maloja bis Zuoz.

Vom Kloster zur Panzersperre
Weiter schreibt etwa Pater Urban Affentranger über den «Architekten August Hardegger und die Benediktinerabtei Disentis». Im Benediktinerkloster in Disentis baute Hardegger in den Jahren von 1895 bis 1899 die mittelalterliche Marienkirche in ein grosses neubarockes Heiligtum um, wie Affentranger schreibt.

Ein besonderes Kapitel der Bündner Baukultur greift Thomas Bitterli-Waldvogel auf. Der Historiker setzt sich mit den militärischen Geländehindernissen auseinander und fragt sich, welche Bedeutung diese einst hatten und heute haben. Seine These: Panzersperren weisen aus dem Blickwinkel von uns Heutigen Ähnlichkeiten mit Land-Art-Projekten auf.

Der Kunst- und Architekturhistoriker Leza Dosch wiederum nimmt die Architektur des Hotels «Schweizerhof» in Vulpera unter die Lupe. Dabei konzentriert sich Dosch auf die «architektonische Weichenstellung im Hinblick auf den Erweiterungsbau von 1913/14».

Mit der Baukultur des Unterengadins beschäftigt sich ebenfalls die Redaktorin und Kunsthistorikerin Seifert-Uherkovich im umfangreichsten Beitrag der Ausgabe. Bei ihr steht die Architektur der Trinkhalle von Bad Tarasp im Mittelpunkt der Untersuchung. Diese gehöre zu den bedeutendsten Bauten des Historismus im bündnerischen Bestand, schreibt Seifert-Uherkovich. «Sie ist die grandioseste und einzige noch erhaltene Trinkhalle aus der grossen Zeit des Bädertourismus in der Schweiz und als solche wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes.»